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Deutschland braucht Langzeittherapie statt Erste Hilfe

Studie zeigt, wie deutsche Unternehmen ihren Standort sichern

  


4. April 2006 – Überhöhte Lohnforderungen einerseits, steigende Steuern andererseits: Deutsche Top-1000-Unternehmen verlassen sich nicht auf die Bundesregierung, wenn es um die Sicherung ihres Standorts geht. Sie greifen dabei allerdings oft zu personellen Maßnahmen, die langfristig auf Kosten von Produktqualität und Produktivität gehen: Zugriff auf externe Mitarbeiter, Auf- und Abbau von Überstunden, Personalabbau und Sonderschichten. Damit verspielt die deutsche Wirtschaft ein enormes Potenzial für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gemeinschaftsstudie von ATOSS, der SRH Fachhochschule Heidelberg und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im Herbst 2005 wurden 258 Personalleiter und Linienmanager der umsatzstärksten deutschen Unternehmen aus Dienstleistung und Industrie befragt.

Die Studie „Standort Deutschland 2006: Zukunftssicherung durch intelligentes Personalmanagement“ zeigt, dass deutsche Unternehmen bei der Bewältigung wirtschaftlicher Hürden keine Unterstützung aus Berlin erwarten. So äußern sich mehr als ein Fünftel der befragten Personalleiter und Linienmanager. 24 Prozent hingegen erhoffen sich von der Bundesregierung eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Jeweils rund 14 Prozent erwarten, dass die Lohnnebenkosten gesenkt und die Rahmenbedingungen verbessert werden. Einer Lockerung des Kündigungsschutzes sehen 11 Prozent der befragten Führungskräfte entgegen.

Standortsicherung auf Kosten von Mensch und Qualität?

Um den Standort Deutschland halten und auf Auftragsschwankungen reagieren zu können, greifen Industrie und Dienstleister auf personelle Maßnahmen zurück: Einsatz externer Mitarbeiter, Überstunden, Personalabbau, Einführung von Sonderschichten, Erhöhung der Arbeitszeit. Diese überwiegend kurzfristig angelegten Lösungen sind meist teuer und gehen langfristig auf Kosten von Qualität und Wirtschaftlichkeit. Knapp ein Viertel der Befragten plant die Verlagerung der Produktion ins Ausland. Bei der Standortwahl sind westliche und östliche EU mit gleichen Prozentzahlen vertreten, gefolgt von China, den osteuropäischen Ländern außerhalb der EU und Indien.

Vollflexible Arbeitszeiten sind Modell der Zukunft

Mehr als drei Viertel der Personalleiter und Linienmanager halten flexible Arbeitszeitmodelle zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit heute schon für sehr wichtig – Tendenz steigend. Die befragten Unternehmen setzen aber bisher überwiegend auf den parallelen Einsatz bewährter Modelle: Altersteilzeit (83%), Schichtarbeit (82%), teilflexible Arbeitszeiten mit Kernzeit (69%) und feste Arbeitszeiten (64%). Vollflexible Modelle ohne Kernzeit haben sich erst bei 45 Prozent, Lebensarbeitszeitmodelle bei 10 Prozent durchgesetzt. Wie die Studie zeigt, stehen der flexibleren Arbeitszeitgestaltung häufig Tarifpolitik und Gewerkschaften im Weg. 34 Prozent der Befragten halten bestehende Tarifverträge für das größte Hindernis. Weitere Probleme sehen sie im Widerstand der Gewerkschaften (32%) und im Betriebs- bzw. Personalrat (17%).

Unternehmen reagieren zögerlich auf Überalterung

Die prognostizierte demographische Entwicklung trifft deutsche Unternehmen eher unvorbereitet. Spezielle Regelungen für ältere Mitarbeiter wie Teilzeit, Altersteilzeit oder Arbeiten über das 65. Lebensjahr hinaus gibt es nur bei etwas mehr als einem Viertel der befragten Arbeitgeber. Diese Zahl ist angesichts der zunehmenden Überalterung der deutschen Gesellschaft überraschend gering. Auch in Anbetracht der Erhöhung des Rentenalters auf 67 besteht Handlungsbedarf.

Hintergrund und Bezugsmöglichkeiten

Die Studie „Standort Deutschland 2006: Zukunftssicherung durch intelligentes Personalmanagement“ beschäftigt sich mit den Themen Arbeitszeitgestaltung, Personaleinsatzplanung, Employability und Mitarbeiterloyalität. Sie wurde von der ATOSS AG und der SRH Fachhochschule Heidelberg in Auftrag gegeben, von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unterstützt und von Maisberger GmbH durchgeführt.


  


Ein kostenloses Management Summary der Studie gibt es auf