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Oktoberfest – ti amo!

Alexander Pschera, 04.10.2012

 
 

Es könnte der Titel einer erfolgreichen Buch-Anthologie sein: Meine schönste Wiesn-Geschichte. Promis erzählen von den Höhen und vor allem Tiefen ihres Oktoberfestbesuchs. Das Buch wäre crossmedial hervorragend vermarktbar. Facebook-Seite, Youtube-Kanal, Fernsehauftritt.

Kurzer Check in Amazon: Gibt es noch nicht! Warum plaudere ich hier eigentlich Geschäftsideen aus ?! Vielleicht liegt es daran, dass ich von meinem eigenen Wiesn-Erlebnis so enthusiasmiert bin (wie der Franzose sagt).

Ich habe nämlich letzte Woche das Überlebens-Geheimnis der Italiener gelüftet.

Die Wiesn wird jährlich von mehr als 200.000 Italienern besucht. Es gibt bekanntlich ein „Italiener-Wochenende“. Irgendwie traut man den Burschen aus dem Süden nicht wirklich viel zu, wenn es um den Überlebenskampf im Bierkanal geht. Aber sie machen meist einen fesch-fröhlichen Eindruck.

Wo geht das ganze Bier hin, fragt man sich?

Jetzt weiss ich es. Neulich saß ich mit einem Kollegen im Augustiner-Biergarten. Mittags-Wiesn. Geschäftsessen, versteht sich. Am Nachbartisch eine grosse Gruppe unserer cisalpinen Freunde.

Keine Spur von Ermüdung da drüben. Kontrollierte Bewegungen. Glasklare Blicke. Perfekte Aussprache. Ausgesuchte Höflichkeit. Impekabel!

Irgendwann merkte ich dann, dass unter dem Italienertisch eine Aldi-Tüte die Runde machte. Sie war bis zum Rand gefüllt mit einer bröckeligen, hellen Substanz. Auf den ersten Blick sah das aus wie roher Blumenkohl. Aber mir war sofort klar, dass es kein Blumenkohl sein konnte.

Jeder nahm sich einen Brocken aus der Tüte und reichte sie dann weiter. Das ging so Stunde um Stunde. Als die Tüte leer war, kam eine neue zum Einsatz. Das Vorratslager schien unerschöpflich. Meine Neugier wuchs: Welche Droge war da im Spiel?

Mein Kollege ist Coach, spezialisiert auf soziale Dynamiken und interaktive Kommunikationsstrukturen. Er beobachtete den Nachbartisch eine Weile mit hochgezogenen Augenbrauen, legte dann seine Stirn in Falten und sagte schließlich mit seniorig-sonorer Beraterstimme: „Das muss etwas mit Gruppenbildung zu tun haben. Die machen das, um sich in feindlicher Umgebung identitätsstiftend abzugrenzen! Das ist, wie wenn Indianer um das Lagerfeuer sitzen und ihre Friedenspfeife rauchen. Das schweisst zusammen!“

Mmh, gute Idee! Wäre ich nicht drauf gekommen. Aber was war in der Tüte? Diese Frage war immer noch ungeklärt.

Ich werfe alos kurzerhand den Theoriebalast über Bord, nehme meinen ganzen Mut zusammen und gehe auf einer möglichst geraden Linie hinüber zum Nachbartisch - man will ja den Freunden an contenance in nichts nachstehen.

„Ciao, comme state?“ In kürzester Zeit darf ich auch in die Aldi-Tüte greifen.

Und was ist drinnen? Kiloweise zerbröselter Parmesan. Berge von Käsebröckelchen.

Das ist also das Geheimnis der Italiener: Käse absor-„Bier“-t. Wer Parmesan kaut, bleibt länger nüchtern. Zumindest halbwegs.

Was können wir für die nächste Wiesn daraus lernen?

Mindestens drei Dinge:

  1. Noch längst nicht alle Buchformate sind schon bei Amazon lieferbar.
  2. Interkulturelle Kommunikation funktioniert.
  3. Fremdsprachenbrocken sind genauso nützlich wie Käsefragmente.
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