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Bauer sucht Sau

Alexander Pschera, 12.10.2012

 
 

„Romantische Begrüßung: Erster Kuss für Bauer Jürgen“

„Er kämpft mit den Tränen. Hans-Georg hatte noch nie eine Frau“

„Ich habe einen Schatz gefunden“

Mit sublimen Stilfiguren gelingt es RTL immer wieder, selbst chronische Fernsehverweigerer für das Schicksal handverlesener männlicher Landbewohner mit Agrarbetrieb zu begeistern. Man fiebert mit, wenn es heisst: „Wer darf mit zur Hofwoche?“ Von wegen Hartz IV-TV: Jeder will wissen, wie das ausgeht mit Sonja und Kurt „auf Wolke sieben“.

In Wirklichkeit steht dahinter aber keine Menschenliebe. Denn: Das Agrarmilieu, vor allem das alpine, war immer schon Einfallstor und Spielwiese des Versauten. In der Stadt nimmt man sich irgendwie noch zusammen, aber jenseits des S-Bahngürtels… mei Liaba!! Auf der Alm gibt‘ s eh koa Sünd‘, da steht das Bett im Kornfeld und die Liebesgrüsse kommen nicht aus Moskau, sondern direkt aus der Lederhose, die beim Jodeln sakrisch juckt, auch wenn der Laptop schon längst keinen Tropfen Saft mehr hat.

Das semantische Feld „Bauernerotik“ ist ein saftiges, und es wird nach allen Regeln der Kunst „ausgeschlachtet“ (um im Jargon zu bleiben): Bäuerinnenkalender jedweder Couleur präsentieren Milchmädchen, Mistgabeln und Melkmaschinen in trauter Umarmung, bis das Heu knistert. Ironische Brechungen bleiben dabei nicht aus. Ein Shooting für den Baden-Württembergischen Bäuerinnenkalender fand ausgerechnet in Titisee statt. Man kann heute schamfrei weder in der wirklich gut gemachten Zeitschrift Landlust blättern noch unschuldig einen Landliebe-Joghurt schlabbern, ohne sich ertappt zu fühlen. Auch den Bauernkalender für die Frau gibt es schon. „Das Schönste am Bauern ist die Selbständigkeit und die Arbeit mit den Tieren“, sagt dort der hübsche und muskulöse Pirmin Roth (30) aus Vilters bei Sankt Gallen. Ah ja…?!

Jetzt schwingt endlich auch der Playboy die Mistgabel. (Ja doch, der Mann von Stil darf den Playboy lesen, denn die Short Stories sind echt super und immerhin hat auch mal Hemingway….). Die neue „Special Outdoor Edition“ präsentiert „drei Länder und neun Frauen“. Vom Bodensee.

Bodensee – Dreiländereck? In solchen schön schlüpfrig um die Ecke formulierten meta-erotischen Bandenspielen zeigt sich mal wieder die ganze intellektuelle Klasse dieses zu Unrecht unter die „Männermagazine“ subsumierten illustrierten Klassikers. 

Und die Damen? So auf den ersten Blick würde ich sagen: Die Mädels vom Bodensee sind nicht durch das RTL-Casting gelaufen, sondern wurden direkt vom Melkkübel weg rekrutiert. Hier dampft die Milli noch.

Was müssen sich die RTL- Bauern also gehörig hinter ihre wahrscheinlich noch ungewaschenen Hinterwäldlerlöffel schreiben?

Genau drei Dinge: Jürgen, Hans-Georg und Pascal,…

  1. …wenn die Staffel für Euch gut läuft, bindet Eure Bäuerinnen neben den Viechern im Stall an…
  2. …und zwar fest…
  3. …sonst gibt’s beim nächsten Scheunenfest nichts zu ernten.
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